September 18

Ort, Gastfamilie, Schule

Der Ort, in dem ich lebe, heißt Castleisland und obwohl nur etwas mehr als 2000 Einwohner darin wohnen, ist es eine richtige Stadt, die auch wirklich lebt. Eine große Hauptstraße, die zweitgrößte in Irland laut Wikipedia, führt geradewegs durch die Stadt und die ganzen kleinen irischen Geschäfte bilden eine Allee. Es gibt mehrere Metzgereien, Bäckereien, Kuchengeschäfte, Souvenirläden, Krimskrams Läden, Modegeschäfte, Drogerien, Fastfood Restaurants, also irgendwie alles ist sehr greifbar. Außerdem fasst der Ort ungefähr 5 Schulen, drei Gyms, eine Bücherei, ein Jugendclub sowie zwei Autokaufhäuser (VW und OpelJ), ein Golf-und Tennisplatz, sowie natürlich ein Gealicfootball- und ein Fußballfeld. Ganz irische gibt es natürlich haufenweise Pubs, zwei schon von mir besucht. Überall wo es genug Platz gibt, stehen Kühe, Schafe sowie Pferde auf einer Weide und grasen genüsslich das grüne Gras. Also sowohl städtische als auch ländliche Aspekte.
Ich wohne in einem Haus ziemlich nah am Stadtzentrum. Es ist zweistöckig, was wirklich ungewöhnlich ist für die meisten Häuser hier in Irland, denn die meisten sind einstöckig und haben einen riesigen Garten. Also wir haben auch einen Garten, aber nicht allzu groß. Mein Zimmer ist klein, das aber auch echt praktisch ist, denn so kann ich wenigstens nicht zu viel Chaos anrichten. Es hat außerdem eine wunderschöne Aussicht auf die Hügel und eine Weide mit Pferden. Meine Gastfamilie besteht aus meinen Gasteltern und zwei Gastschwestern, die aber schon größer sind und nicht die meiste Zeit nicht zuhause wohnen, sondern in Cork und in Dublin arbeiten bzw. studieren. Ich werde jetzt erstmal keine Namen nennen, man weiß ja nicht wer im Internet alles herumschleicht. Meine Gastmutter arbeitet zu mindestens als Grundschullehrerin und hat auch wirklich dieses lehrreiche Auftreten, was ich ziemlich cool finde, denn sie wiederholt ständig was sie sagt. Mein Gastvater wiederholt sich auch ständig, aber eher weil er einen starken Akzent hat, denn ich oft genug nicht verstehe. „Castleislandisch“ hat das die Gastmutter beschrieben. Aber er ist auch sehr geduldig, dass ich ihn irgendwann dann doch verstehe. Er ist außerdem ziemlich überbeschützend. Er macht sich sorgen, wenn ich um 9 Uhr nicht zuhause bin, wenn es dunkel wird und ich soll so einen bestimmten River Walk nicht laufen, da es zu gefährlich sei, obwohl es total schön da ist. Die beiden Schwestern sind eigentlich auch super nett, obwohl ich von der Jüngeren mehr mitbekomme, als von der Älteren. Mein Gastonkel hat auch eine deutsche Austauschschülern und wohnt im selben Ort. Das ist wirklich sehr praktisch, auch wenn man sich eigentlich nicht mit den anderen Gastschülern aufhalten soll, ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass man oft genug was mit ihr machen kann, wenn man sich gerade alleine fühlt.
Meine Schule ist die gemischte Schule „Castleisland Community College“ und liegt ungefähr 20 Minuten Fußweg von meinem Zuhause entfernt. Von den Bildern her fand ich die Schuluniform schrecklich, da ich so eine richtige Uniform mit Rock und Krawatte und Bluse wollte, doch jetzt bin ich froh, dass sie so lässig ist. Man hat eine graue Anzugshose, nenn ich jetzt mal so, an und dazu trägt man ein graues Polo T-Shirt und einen blauen Pullover, beides mit Schulwappen. Schuhe müssen nicht schwarz sein, wie in vielen anderen Schulen in Irland.
Meine Meinung zu Schuluniformen bleibt: Sie ist einfach praktisch. Ich muss mir nicht überlegen, was ich morgens anziehe und ich habe nicht das Gefühl, dass jemand über meine Kleidung tuschelt. Echt total cool.
Die Lehrer sind eigentlich super lieb in der Schule. Sie müssen zwar ihren Stoff voran bringen, sind aber für einen guten Witz immer zu haben. Die Schüler sind auch nett, aber es ist wirklich schwierig sich lange mit denen zu unterhalten. Ich habe irgendwie gedacht Gastschüler sind zumindest anfangs noch was „besonderes“, aber die haben an der Schule jedes Jahr Gastschüler, dass die meisten Schüler sich nicht wirklich dafür interessieren. Ich gehe in die 5 Klasse (sowas wie die 10 oder 11 in Deutschland) und wir sind insgesamt 4 deutsche Austauschschülerinnen auf vielleicht 40 Schüler von meinem Jahrgang. Die Schule ist nicht so groß wie deutsche Schulen und hat auch kleinere Jahrgänge. In der 3 Klasse ist noch eine Spanische Austauschschülerin mit der ich mich richtig gut verstehe und wir auch oft mal die Pausen zusammen verbringen. Die Deutschen sind zwar auch super lieb, doch verfällt man bei denen doch eher wieder ins deutsch rein und dafür bin ich ja nicht hier.
Ich hoffe zu mindestens, dass ich wenigstens eine gute Bekanntschaft mit einer irischen Schülern hin bekomme, sodass ich auch an den Wochenenden was mit ihr machen könnte.
Ich versuche irgendwie bis nächstes Wochenende mal Bilder hochzuladen, aber mein Handy will da irgendwie nicht mitmachen… Naja bis dahin…TSCHÜÜS!

September 14

Sprüche

Also es gibt so ein paar (viele) Sprüche, die ich ständig zu hören bekommen habe, wenn ich erzählte, dass ich ins Ausland gehe. Ein paar sind auf Irland bezogen, ein paar auf ein Auslandsjahr im generellen Sinne und andere einfach nur so. Ich hab euch mal eine kleine Liste zusammengestellt, was man alles hören könnte, wenn man auch auf die verrückte Idee kommt, ein Auslandsjahr zu machen. Ich weiß, fast alle dieser Sätze waren nur lieb gemeint, aber in meinem Post-Pubertären Alter war es doch irgendwann nervig, immer nur das gleiche zu hören. Ich hab euch trotzdem alle lieb!

  • „Warum Irland und nicht Amerika?“
  • „Das wird eine soo tolle Erfahrung!“
  • „Du kommst als ein anderer Mensch zurück.“
  • „Irland ist so schön!“
  • „Also ich würde mich das niemals trauen.“
  • „Mach das jetzt, wenn du noch jung bist. Spätestens wenn du studierst, hättest du dir gewünscht ein Auslandsjahr zu machen.“
  • „Wow, ich wüsste ich hätte das auch gemacht, als ich noch jünger war.“
  • „Ich bereue, dass ich es nicht gemacht habe.“
  • „Wenn du zurückkommst, wirst du so einen schlimmen Akzent haben.“
  • „Dein Englisch wird sich bestimmt total verbessern. Dann kannst du auch in den Englisch-Leistungskurs.“ (Meistens von Leuten, die nicht wussten das ich nur 6 Punkte in Englisch habe)
  • „Es gibt Schüler, die noch mit einem schlechteren Englisch zurückgekommen sind. Du musst deine Grammatik dort auch üben.“ (Vor allem von Lehrer)
  • „Das wird ein super Jahr.“
  • „Wir werden dich alle total vermissen.“
  • „Irland? Ach ja das liegt ja in England oder?“
  • „Irland hat so eine schöne Landschaft.“
  • „Irland ist doch bestimmt voll langweilig. Warum nicht nach Amerika? Da ist es viel cooler.“ *kotz*
  • „Stimmt! Du bist die, die nach England geht?…Oder war es doch Schottland?“
  • „Genieße deine Zeit dort.“
  • „Wir kommen dich dann mal besuchen.“ (Ich weiß nicht wie oft ich das gehört habe. Am Anfang war es ja auch ganz nett und so, aber dann dachte ich mir irgendwann so – Nein, das ist mein Jahr, bitte, bitte kommt mich nicht besuchen, egal wie sehr ich euch mag. J)
  • „Das Wetter ist gar nicht gut in Irland. Da regnet es oft.“
  • „Du brauchst unbedingt Gummistiefel!“

Jetzt noch ein paar Sätze, die ich sehr oft gehört habe in Irland:

  • „Du hast so viel Zeit hier.“
  • „Es dauert einige Wochen bist du dich eingewöhnt hast.“
  • „Ja, ich weiß, es ist schwierig Freunde zu finden.“
  • „Wenn die Schule anfängt, bekommst du mehr Routine in den Tag.“
  • „Fühl dich wie zuhause.“
  • „Mach dir ein Sandwisch. Das ist jetzt dein zuhause.“ (Meistens, wenn ich fast am Platzen vom Dinner bin)
September 4

Vorbereitungs-BlaBla

Ich fange mal von vorne an, obwohl ich jetzt schon gut eine Woche in Irland bin. Da ich zuerst einen Vlog machen wollte, werde ich über einige Themen schreiben, die nicht mehr ganz aktuell sind für mich.
Die Idee ein Auslandsjahr zu machen, hatte ich schon in der 8. Klasse und wollte nach England auf eine Internationale Schule, in die auch ein Kumpel von mir geht. Meine Mama und ich hatten dann also einige Gespräche mit meiner Klassen-und Englischlehrerin, die beide fanden, dass ein Auslandsjahr keine schlechte Idee für mich wäre, da mein Englisch nicht das beste war. Danach hatte meine Mutter die Schule angeschrieben, doch diese lehnte ab, denn sie nahm nur Schüler auf, die auch auf eine Internationale Schule gingen. Mein 13-jähriges Ich war tief enttäuscht und hatte dann auch keine Lust mehr sich über andere Alternativen Gedanken zu machen, denn das Leben ging weiter.
Ich kam also durch die Englisch Realprüfung mit einer 2 und war sehr zufrieden mit mir und wechselte auf ein Oberstufengymnasium. Dort waren die Ansprüche natürlich viel höher als auf meiner alten IGS, vor allem in Englisch drückte ich ständig beide Daumen, dass ich es irgendwie in die 12 Klasse schaffte. Schließlich war ich dann doch noch mal mit meiner Mutter auf so eine Infomationsmesse mit Beiträgen zu Auslandsaufenthalte vom Sprachcaffe. Zuerst wollte ich danach Farming machen. Also während den Ferien im Ausland auf einer Farm aushelfen, doch in den meisten Ferien besuche ich entweder die Familie oder betreibe mein Hobby Larp und das wollte ich nicht für ein Farmaufenthalt aufgeben. Nach viel Diskussion mit meiner Mutter entschied ich mich doch dafür ein Auslandsjahr zu machen und zwar ein volles Jahr, denn anrechnen konnte ich es wahrscheinlich eh nicht, denn dafür war ich eindeutig zu spät dran. Nächstes Jahr hätte ich schon Leistungskurse und dann ein halbes Jahr zu fehlen, konnte ich mir nicht erlauben, dann schon ein ganzes. Außerdem war ich meistens eh jünger als meine Klassenkameraden, denn ich war ein Kann-Kind, konnte also schon mit 5 Jahren in die Schule. Jetzt war nur die Frage in welches Land? Ohne Organisation? Oder mit? Und wenn ja mit welcher? Schnell fand ich heraus, dass es ohne Organisation sehr viel schwieriger war in eine Gastfamilie und Schule zu kommen.
Meine Mutter ließ mich frei entscheiden welche Organisation ich wollte, also verbrachte ich Stunden im Internet um DIE richtige zu finden. Gar nicht so einfach, wenn jeder verspricht das beste Jahr deines Lebens zu machen. Mein Wunschland war eigentlich immer noch England, da in Neuseeland und Australien zu viele deutsche Gastschüler lebten und die USA irgendwie nicht meinem Lebensstill entsprach. Außerdem bin ich der totale Harry Potter Fan und fand den Gedanken toll in dem Land zu leben, in dem die Bücherreihe spielt und geschrieben wurde. Ich wollte unbedingt Schuluniformen tragen, einen langen Schultag haben und die Leute sollten auch irgendwie so sein (ohne zaubern zu können….leider :/) wie in den Büchern. Doch dann stand auf den meisten Webseiten auch noch als Auslandsziel Irland. Das Land hatte ich gar nicht auf den Schirm gehabt, doch der Landschaft und der Menschenbeschreibungen nach zu urteilen, war das genau das Land wohin ich wollte. Land schon mal check! Fehlte nur noch die Organisation. Ich hörte viel Schlechtes über Jede und Gutes über diese. Nachdem ich eine Tabelle in Excel erstellt hatte, mit Kosten und Vorteile der verschieden Organisationen stand für mich fest, dass ich mit Irish Host Family Ltd fahren werde. Diese Organisation verspricht sehr klein und Menschenbezogen zu sein. Sie vermitteln nur nach Country Kerry und kennen alle Gastfamilien schon länger. Ich rief also die Leitstelle in Deutschland an und stellte Conny (Sie vermittelt Deutsche nach Irland) ein paar Fragen und sie stellte mir ein paar Fragen und dann versprach sie mir ein Fragebogen zu schicken, welches ich ausgefüllt nach Irland schicken sollte. Kurz vor Weihnachten kam es an und es war ein gewaltiger Fragenbogen.  Nachdem ich aber alles ausgefüllt, unterschrieben und ein Brief an meine zukünftige Gastfamilie geschrieben hatte, schickte ich es kurz vor dem Abgabedatum ab und dann hieß es warten, bis ich gesagt bekommen habe wer meine Gastfamilie ist.
Das waren schreckliche 3-4 Monate, aber als es dann so weit war, war ich sehr zufrieden! Die Schule war auch schon fast rum und ich froh, dass die 11te geschafft zu haben. Jetzt ging es ans Vorbereiten. Ich brauchte einen richtigen Koffer, musste entscheiden welche Klamotten ich mitnehmen konnte und was ich noch alles brauchte. Zum Glück hat meine Mama mir da gaaanz viel dabei geholfen(Danke dafür nochmal. Du bist die Beste :*). Vielleicht nicht die beste Entscheidung war, dass ich trotz der Reisevorbereitungen 4 Wochen in den Sommerferien auf Larp Veranstaltungen ging. Das hieß vor allem Packen! 1 Woche in Diemelstadt auf dem Drachenfest im Kupfer Lager die Krieger mit Wasser versorgt, auspacken, einpacken, 5 Tage auf dem Rittergut Brokeloh eine Keltische Prinzessin spielen, auspacken, einpacken, 1 ½ Wochen mit den Waldrittern auf einer Jugendveranstaltung Spaß haben, auspacken UND wieder einpacken. Und wie das dann so ist, wenn man 4 Wochen in einem Zelt schläft und allen Wetterbedingungen aussetzt ist, wurde ich krank. In der letzten Ferien Woche hieß es vor allem einkaufen, was meine Lust nicht sonderlich auf mein kommendes Abenteuer gesteigert hat. Auch war meine Schwester mit ihrem kleinen Sohn da (liebevoll von ihr Schnabeltier genannt) und hat bei uns gewohnt, da sie sonst sehr weit weg von uns ihr zuhause hat. Das war super putzig, aber ich war die ganze Woche wirklich nicht gut drauf, wurde ständig zickig oder musste meine Tränen zurück halten. Total miese Gefühle stiegen in mir auf und ich hatte gar keine Lust mehr nach Irland zu reisen. Ich hatte wahrscheinlich Angst diesen großen Schritt zu machen.
Am Freitag bin ich dann von Frankfurt Hahn nach Kerry geflogen. Zum Glück nicht ganz alleine, denn eine zweite deutsche Austauschschülerin ist von dort aus geflogen. Wir hatten ein kleines Problem mit der Polizei in Hahn, da diese uns nicht fliegen lassen wollte, denn wir waren noch nicht volljährig. Schnell also Handy gezückt und meine Mutter angerufen, die schon zusammen mit meinem Freund und meiner besten Freundin im Auto saßen. Diese musste dann auf ein Zettel kritzeln, dass ich alleine fliegen darf und ihr Personalausweis abfotografieren. Glücklicherweise war mein Freund da, der ihr helfen konnte das Foto dann auf mein Handy zu schicken. Danach durften wir fliegen!
Als ich im Flieger saß und mir die Texte von meinen Freunden durchgelesen habe, die sie auf meiner Abschlussfeier geschrieben hatten, bildete sich ein breites Lächeln auf meinen Lippen und ich schloss die Augen. Ich fliege nach Irland!