März 21

Gastfamiliewechsel

Wie der Titel unschwer zu erkennen gibt, habe ich meine Gastfamilie gewechselt. Wer jetzt denkt: „Oh! Was?“ Der befindet sich in derselben Situation wie ich vor ungefähr drei Wochen. Aber ich beginne mal von vorne.
Meine Mutter hatte gemerkt, dass ich mich in meiner Gastfamilie nicht so ganz wohlgefühlt habe. Jedes Mal, wenn wir beim Skypen auf dieses Thema kamen, stiegen mir kleine Tränen in die Augen. Es lag nicht daran, dass ich meine Gasteltern nicht mochte, sondern eher daran, dass sie nichts mit mir unternommen hatten. Ich verlange ja nicht, dass sie jedes Wochenende was mit mir machen, aber seit September hatte die eigentlich nichts mehr mit mir gemacht. Selbst wenn wir zusammen in die Stadtgingen, teilten wir uns auf und jeder machte sein eigenes Ding. Auch gegessen hatten wir meistens getrennt. Außerdem hatte ich ein eigenes Wohnzimmer und war darum immer verwirrt, ob ich mit denen auf dem Sofa sitzen darf oder nicht. Aus diesen Gründen verbrachte ich die meisteZeit in meinem Zimmer. Meine Mutter jedenfalls hat es dann bei der Koordinatorin in Deutschland angemerkt und sie hatte es Antoinette weiter erzählt. Diese hatte mich zu einem Gespräch nach meinem Galway Urlaub eingeladen. Mit gemischten Gefühlen betrat ich ihr Büro. Ich wusste von der Quelle meiner Mutter, dass sie mich dazu überreden wollte zu wechseln, aber ich wollte nicht. Das habeich ihr auch gesagt. Ich wollte meine Gastfamilie nicht traurig oder wütend machen und hatte Angst, dass es noch schlimmer werden würde. Am liebsten hätte ich gewollt, dass Antoinette sie dazu bewegen könnte mal mehr mit mir zu machen. Doch sie erklärte mir, meine Gastfamilie würde ihre Gewohnheiten nicht für mich ändern. Und nachdem mich Conny nochmal angerufen hatte, ließ ich mich dann doch noch überreden zu wechseln. Ziemlich cool, aber auch extrem schwierig war, dass ich meine neue Gastfamilie aussuchen durfte. Welchen Familientyp sollte ich nehmen? Eher im Land oder lieber in der Stadt? Zwei kleine Gastgeschwister oder lieber gar keine? Haustiere Ja/Nein? Es war wirklich nicht so einfach, aber ich hatte mich dann für eine Familie entschieden und noch eine Zweit-und Drittwahl gehabt.
Meiner Gastfamilie sollte ich nichts verraten, denn Antoinette wollte sich selbst darum kümmern und es war auch noch nicht sicher, wie schnell ich wechseln könnte. Am selben Abend noch bekam ich eine Nachricht, dass meine Erstwahlfamilie zugestimmt hatte und ich noch am Sonntag wechseln würde.
Am darauffolgenden Tag war wieder ein Gruppentag angesagt und dieses Mal war es in Killarney, jedoch alles was wir gemacht hatten, hatte ich davor schon besucht gehabt. Außerdem war das Wetter wirklich furchtbar und deswegen verbrachten wir ziemlich lange in dem McDonalds und quatschten. Es war trotzdem lustig. Beim Zurückfahren bekam ich jedoch Bammel zu meiner Gastfamilie zurück zu gehen, da sie es mittlerweile wissen mussten. Bei meiner Gastfamilie ankommen, sprach mich meine Gastmutter auch gleich darauf an mit Tränchen in den Augen und sie steckte mich an. Nicht dass wir beide losgeheult haben, doch es war irgendwie extrem traurig. Da sie mir auch sagte, dass sie ja auch nicht wollte, dass ich wechsle und ich ein wirklich tolles Mädchen bin. Meine Gastvater und – Schwester sagten eigentlich so gut wie nichts dazu und ich fing an meine Sachen zu packen.

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Mein Versuch alles von mir unterzubringen. Was sich alles bei mir angesammelt hat! :0

Den restlichen Abend verbrachte ich so wie ich es mir immer gewünscht hätte – zusammen auf dem Sofa und gemütlich reden und essen.
Am nächsten Tag war es dann soweit und ich musste mich endgültig verabschieden, wobei alle sagten ich sollte sie auf jeden Fall nochmal besuchen kommen. Mein Gastvater brachte mich also zum verabredeten Ort und übergab mich meiner neuen Gastmutter. Er drückte mir einen Kuss auf die Wange und wiederholte, dass ich toll bin und immer wieder kommen dürfte. Gleichdarauf saß ich in einem neuen Auto, mit einer neuen Gastmutter und einer anderen Gastschwester auf dem Rücksitzt. Total verwirrend oder nicht? Für mich war es jedenfalls so, aber ich habe mich super eingelebt und es war der richtige Schritt zu wechseln.
Meine neue Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter und Gastvater, die beide manchmal arbeiten, meiner größeren Gastschwester und mein jüngerer Gastbruder, die beiden beide auf meine Schule gehen und dann folgen noch zwei weitere Gastschwestern, die eine auf der Mädchenschule und die anderen auf der Grundschule. Ich habe mir also den größten Haushalt ausgesucht, der mir vorgeschlagen wurde 😀 Und nun sitze ich die wenigste Zeit in meinem Zimmer rum, sondern meistens im Wohnzimmer bei denen. Sie nehmen mich auch überallhin mit, wenn ich mit möchte. Ich war jetzt schon auf einem Football, Fußball und Basketball match meiner Gastgeschwister (zum Zuschauen), shoppen in Killarney (tatsächlich mit der Familie), Familienbesuch bei Großtanten auf einem Bauernhof, einer Taufe, beim Gottesdienst, Geburtstagsessen und –party und noch vieles mehr. Das ist echt toll und auch wenn diese Familie nicht die Gesprächigste ist, bin ich nicht mehr so alleine und traurig wie vorher. Ein wenig Kontakt habe ich auch noch zu meiner alten und hoffe das ich diesen auch nicht verliere.




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Veröffentlicht21. März 2017 von Pluusch in Kategorie "Erlebnisse", "Familie

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